Doch auch generell nimmt der Trend zu sogenannten „atypischen Beschäftigungsverhältnissen“ zu: Laut Statistik Austria stieg zwischen 2013 und 2023 der Anteil atypischer Erwerbsformen (Teilzeit, geringfügige Beschäftigung, befristete Jobverhältnisse, temporäre Arbeit und auch Freelancer-Verträge) deutlich: von unter einem Drittel auf rund 36,7 %.

In diesem Artikel bekommst du einen klaren Überblick sowohl über den Status quo als auch zu aktuellen Trends und du erfährst, wie du dich als Software Freelancer in Zukunft erfolgreich aufstellst.

Arbeitsrealität im Wandel: Der Status quo

Statistiken der WKO aus 2024 zeigen, dass sogenannte EPUs (Ein-Personen-Unternehmen) in Österreich eine große Rolle spielen. Insgesamt sind rund 61 % aller Wirtschaftskammer-Mitglieder EPUs. Damit prägt diese Form der Selbstständigkeit den Markt deutlich. Besonders hoch ist der Anteil im Gewerbe und Handwerk mit 68,3 %, während die Sparte Information und Consulting, also auch viele IT-Dienstleister:innen, auf 59 % kommt. Dadurch zeigt sich klar, dass Solo-Selbstständigkeit in vielen Branchen zum Standard geworden ist und sich als stabile Unternehmensform etabliert hat.

Remote Work ist in Österreich inzwischen kein Ausnahmefall mehr. Das zeigen auch die Erhebungen von EURES. Sowohl Angestellte als auch Freelancer kombinieren Homeoffice und vor-Ort Arbeit. Viele Entwickler:innen in Österreich arbeiten selbstständig. Die Bedeutung von projektbasiertem Arbeiten wächst weiter, sowohl für Firmen als auch für Freelancer.

Einkommen und Spezialisierung

Bereits in den letzten Jahren zeigte sich ein Trend, der sich vermutlich auch 2026 fortführen wird. Momentan erzielen besonders Expertinnen und Experten für Cloud- und DevOps Spitzenwerte.

Laut Erhebungen von Statstik Austria nutzen immer mehr Firmen Cloud-Services. Damit steigen Nachfrage und Bedarf an Devs mit Expertise in Cloud-Technologien, DevOps, Security und innovativen Architekturansätzen weiter.

Der Einzug von KI verändert viel. Einerseits automatisieren Tools wie ChatGPT, GitHub Copilot oder Midjourney einfache, wiederkehrende Aufgaben. Dadurch steigt der Druck, sich über reine Ausführung hinaus zu positionieren. Andererseits wachsen genau dadurch neue Chancen: Wer KI klug einsetzt, arbeitet schneller, liefert bessere Ergebnisse und kann komplexere Projekte annehmen.

Außerdem steigt die Nachfrage nach Skills wie Prompting, KI-Integration, Data Literacy und Architekturwissen. Besonders spannend: Unternehmen suchen zunehmend Leute, die Technologie und Business zusammenbringen können. Sprich: Freelancer, die nicht nur coden, sondern Prozesse, Produktlogik und KI-Workflows verstehen.

Coden oder Beraten?

Diese Frage stellt sich heute immer seltener, weil zahlreiche Softwareprojekte längst nicht mehr linear funktionieren. Stattdessen werden sie immer komplexer und vielseitiger: Cloud-Migrationen, Security-Upgrades, DevOps-Pipelines, hybride Legacy-Systeme oder KI-Integrationen laufen häufig parallel und greifen ineinander.

Dadurch reicht es oft nicht mehr, „nur zu entwickeln“. Unternehmen suchen Menschen, die technische Tiefe mit strategischem Denken verbinden. Also Freelancer, die nicht nur Features bauen, sondern auch verstehen, warum sie gebaut werden. Wer Architektur mitdenkt, Prozesse hinterfragt, Risiken erkennt und die Kundschaft auf Augenhöhe beraten kann, hat heute einen klaren Vorsprung.

Prognose 2026: Was sich verändert und warum das für Freelancer wichtig ist

Bis 2026 wird sich die IT-Landschaft weiter rasant entwickeln. KI-Tools gehören dann endgültig zum Alltag. Dadurch steigen Effizienz und Output, während Routinearbeit deutlich sinkt. Für Freelancer bedeutet das: Unternehmen erwarten mehr Tiefe, mehr Architekturdenken und ein klares Verständnis für KI-gestützte Workflows.

Auch Automatisierung und Cloud-Migrationen nehmen weiterhin Fahrt auf. Deshalb lohnt sich Weiterbildung in genau diesen Bereichen besonders. Sei es rund um Kubernetes, Infrastructure as Code, moderne Cloud-Architekturen oder Automatisierungs-Frameworks. Unternehmen profitieren von schnelleren Deployments und holen sich gerne externe Fachleute ins Team, die diese Technologien sauber implementieren können. Das als Freelancer proaktiv zu kommunizieren, kann neue Aufträge sichern.

Gleichzeitig rückt IT-Security stärker in den Fokus. Strengere regulatorische Anforderungen, etwa durch NIS2, sorgen dafür, dass Sicherheit nicht mehr „mitläuft“, sondern aktiv geplant werden muss. Für Freelancer eröffnet das hervorragende Verdienstmöglichkeiten, weil Unternehmen kurzfristig spezialisierte Unterstützung brauchen. Gerade Security-Expertinnen und Experten, die Beratung und Umsetzung verbinden, werden schwer zu bekommen sein.

Sichtbar sein und proaktiv kommunizieren

Wer als Freelancer erfolgreich bleiben will, muss sich klar differenzieren. Denn mit jedem neuen Einstieg in den Markt wird es wichtiger, auf den ersten Blick erkennbar zu machen, wofür du stehst. Spezialisierungen, messbare Ergebnisse und ein klarer fachlicher Fokus helfen dir dabei, nicht in der Masse unterzugehen. Sichtbarkeit ist dabei kein Nice-to-have, sondern essenziell: Wer online nicht auffindbar ist, findet seltener gute Projekte.

Gleichzeitig zählt Qualität mehr denn je. Unternehmen bevorzugen Seniorität, Zuverlässigkeit und nachweisbare Erfahrung. Das bedeutet: Weniger „ich kann alles“ – mehr „ich kann das richtig gut“. Solide Portfolio-Projekte, öffentlich einsehbare Code-Beispiele oder Case Studies sind starke Signale für Qualität und Professionalität.

Starke Referenzen werden zum echten Wettbewerbsvorteil. Persönliche Empfehlungen, LinkedIn-Reviews oder erfolgreiche frühere Projekte schaffen Vertrauen – und Vertrauen ist die neue Währung im IT-Freelancing. Unternehmen achten zunehmend darauf, ob ein:e Freelancer:in nicht nur technisch liefert, sondern auch gut kommuniziert, Prozesse versteht und zuverlässig bleibt. Reputation ist dabei oft ausschlaggebender als Tagessatz oder reine Skill-Liste.

Zusätzlich kommen immer mehr Plattformen und Vermittlungsportale auf den Markt. Das eröffnet dir als Freelancer zwar mehr Zugänge zu Projekten und macht den Einstieg leichter, führt aber auch zu mehr Konkurrenz. Während Unternehmen dadurch schneller passende Kandidat:innen finden, steigt für Freelancer der Druck, ein professionelles Profil, gute Bewertungen und eine klare Positionierung zu haben. Wer hier vorbereitet ist, profitiert von einem wachsenden Angebot an Projekten – und hebt sich im Wettbewerb deutlich ab.

Worauf Freelancer jetzt achten sollten

Freelancer stehen heute vor einem Markt, der sich schnell bewegt und immer neue Anforderungen mitbringt. Deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen, welche Skills und Arbeitsweisen jetzt wirklich zählen.

Denn je klarer du dich positionierst und je besser du die aktuellen Trends verstehst, desto leichter wirst du gefunden und desto attraktiver wirst du für spannende Projekte. Die folgenden Punkte zeigen dir, worauf du jetzt besonders achten solltest.

  • Spezialisierung zahlt sich aus. Fachgebiete wie Cloud, DevOps oder Security sind derzeit besonders gefragt
  • Selbstorganisation und Flexibilität bleiben wichtig. Remote oder Hybrid erfordern Disziplin und klare Kommunikation
  • Sichtbarkeit und Netzwerk helfen: Wer das eigene Skillset transparent macht, wird eher gefunden, vor allem in einem kleineren Markt wie Österreich
  • Weiterbildung und Tool-Kompetenz: Moderne Frameworks, Automatisierung und KI-Tools werden immer relevanter
  • Kombination aus Technik und Beratung eröffnet neue Möglichkeiten: Freelancer, die strategisch mitdenken, haben oft bessere Chancen

Unterm Strich zeigt sich: Die kommenden Jahre gehören jenen, die bewusst handeln, statt nur zu reagieren. Der Markt verändert sich schneller, Projekte werden anspruchsvoller und Unternehmen wählen genauer aus.

Doch genau darin liegt eine große Chance. Wer die eigenen Stärken klar kommuniziert, sich weiterbildet und flexibel bleibt, verschafft sich einen echten Vorsprung. Spezialisierung, gute Selbstorganisation, innovative Tools und ein starkes Netzwerk sind heute kein Bonus mehr: Sie sind die Basis für nachhaltigen Erfolg. Wenn du diese Punkte im Blick behältst, wirst du nicht nur gefunden, sondern auch für jene Projekte ausgewählt, die wirklich zu dir passen.